National research projects

Deutsche Forschungsprojekte zur Koexistenz und Rückverfolgbarkeit

Eine Messvorrichtung im Versuchsfeld.
Eine Messvorrichtung im Versuchsfeld.
In Deutschland wurden in verschiedenen Forschungsprojekten Auskreuzungen transgener Pflanzen untersucht. Öffentlich geförderte Projekte im Bereich der Koexistenz werden seit 1999 durchgeführt. Forscher untersuchten beispielsweise den Pollenflug von GV-Mais auf die umgebenden Felder. Letztlich sollen die Ergebnisse dabei helfen, Mindestabstände zu definieren, mit denen Auskreuzungen auf konventionelle oder ökologisch bewirtschaftete Felder minimiert werden können. Als wichtige Untersuchungsparameter werden dabei beispielsweise die Feldgröße und Windrichtung berücksichtigt.

Erprobungsanbau 2004

Wissenschaftler der Universität Halle nahmen während des Erprobungsanbaus mit GV-Mais in unterschiedlichen Entfernungen Proben aus benachbarten Feldern mit konventionellem Mais. Die Auswertung der Versuche zeigte, dass der GVO-Anteil in konventionellem Mais mit zunehmender Entfernung von einem GV-Maisfeld stark abfällt. In zehn Metern Entfernung liegen die GVO-Anteile der allermeisten Mais-Proben unterhalb des Kennzeichnungsschwellenwertes von 0,9 Prozent. In zwanzig Metern Entfernung werden mit sehr großer Sicherheit keine kennzeichnungspflichtigen GVO-Spuren mehr gefunden. Diese Ergebnisse waren die Basis für die Regeln der Guten Fachlichen Praxis, welche die Saatguthersteller für den GV-Mais-Anbau ab 2005 aufgestellt haben. Die Dokumentation hierzu ist unter www.transgen.de verfügbar.

Erprobungsanbau 2005

Die Begleitforschung zum Erprobungsanbau 2005 koordinierten Wissenschaftler der Universität Rostock. Gegenüber dem Erprobungsanbau 2004 haben sie Versuchsanordnungen mit weiteren Pflanzenarten getestet. Sie wollten herausfinden, ob andere Pflanzen wie Gräser, Gerste, Kartoffeln oder Brachflächen als Puffer für den Maispollen dienen können. Die Ergebnisse sind noch nicht abschließend ausgewertet. Es zeichnet sich aber bereits ab, dass Trennstreifen mit konventionellem Mais, direkt neben dem GV-Mais-Feld, Auskreuzungen effektiver einschränken können als Zwischenflächen mit anderen Pflanzen. Die ersten Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass 2005 auch in größeren Entfernungen als 20 Meter in der Hauptwindrichtung GVO-Anteile von mehr als 0,9 Prozent gefunden wurden. Allerdings wurden hier keine Proben aus den Maispartien nach der Ernte genommen, sondern gezielt Pflanzen aus einzelnen Reihen gesammelt und analysiert. Für die Kennzeichnungspflicht wäre aber der GVO-Gehalt in einer gesamten Erntepartie entscheidend. Weitere Informationen sind ebenfalls auf der Seite www.transgen.de verfügbar.

Bienenpollen werden auf Spuren von GV-Mais untersucht
Bienenpollen werden auf Spuren von GV-Mais untersucht
Begleitforschung mit Honigbienen

Parallel zum Erprobungsanbau 2004 und 2005 haben Wissenschaftler in Bayern Versuche zur Koexistenz von Bt-Mais-Anbau und der Honigproduktion durchgeführt. Sie platzierten Bienenvölker in unterschiedlichen Entfernungen zu Bt-Mais-Feldern und untersuchten anschließend den Honig sowie den von den Bienen in ihren „Pollenhöschen“ transportierten Blütenpollen auf mögliche GV-Mais-Bestandteile. Ergebnis: Im Honig konnten nur in Ausnahmefällen geringste Spuren von Bt-Mais nachgewiesen werden. Die Mengen waren aber so gering, dass sie nicht genauer quantifiziert werden konnten und lagen auf jeden Fall deutlich unterhalb des GVO-Kennzeichnungsschwellenwertes. Beim gesammelten Blütenpollen fanden die Wissenschaftler zum Teil Bt-Maispollenanteile von mehr als 0,9 Prozent – allerdings nur, wenn die Bienenvölker direkt neben einem Bt-Maisfeld aufgestellt waren. (2004 and 2005).

Koexistenzforschung des Landwirtschaftsministeriums

2005 starteten Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) für das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV) eigene Anbauversuche zur Koexistenz. Ähnlich wie beim Erprobungsanbau ist es das Hauptziel der Versuche, Mindestabstände oder andere geeignete Koexistenzmaßnahmen für den nachbarschaftlichen Anbau von gentechnisch verändertem und konventionellem Mais abzuleiten. Und auch die BMELV-Forscher wollen den Einfluss von Zwischenflächen mit anderen Pflanzen wie Klee/Gras-Mischungen oder Getreidestoppeln ermitteln. Weiterhin wird untersucht, wie die Auskreuzungsraten davon abhängen, ob die Maisreihen in Windrichtung oder quer dazu angelegt sind. 
Nach Ansicht von Gerhhard Rühl, Koordinator des Forschungsprogramms sollte mit einem Abstand von 150 Metern der Kennzeichnungsschwellenwert von 0,9 Prozent in der Gesamternte einzuhalten sein.
An einem der Versuchsstandorte hatten Unbekannte in den Jahren 2006 und 2007 etwa zehn Prozent der Versuchsflächen zerstört. Zu dem Zeitpunkt hatte die Maisblüte aber bereits stattgefunden. Die Versuche konnten trotzdem noch ausgewertet werden. Nach dem Anbauverbot durch Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im April 2009 dürfen dürfen die Feldversuche lediglich unter Nutzung eines Farbmais-Testsystems weitergeführt werden. (Mehr dazu auf www.biosicherheit.de).

BBA-Forschungsprogramm zur Auskreuzung von Mais

Das deutsche Bundesforschungsministerium hat bereits in den Jahren 1999 bis 2002 Versuche zur Auskreuzung von Mais gefördert. Ein Ziel dieser Versuche war es, herauszufinden, wie hoch die Auskreuzungen von GV-Mais in konventionellen Mais unter verschiedenen Bedingungen, beispielsweise bei verschiedenen Wetterlagen und Windrichtungen sind. Die Ergebnisse sollten auch dazu beitragen Koexistenzmaßnahmen abzuleiten. Durchgeführt wurde das Forschungsprogramm von Wissenschaftlern der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA).

Versuche zur Auskreuzung von Mais.
Versuche zur Auskreuzung von Mais.
Zu den Ergebnissen dieser Versuche gehörte die Feststellung, dass mit zunehmender Entfernung vom GV-Maisfeld die Auskreuzungen stark abnehmen, sowohl in Windrichtung wie auch in entgegengesetzter Richtung. Insgesamt waren die Auskreuzungen in Windrichtung etwa doppelt so hoch wie in Gegenrichtung.
In zehn Metern Entfernung vom Maisfeld lag die Auskreuzungshäufigkeit im Mittel unter einem Prozent. In Entfernungen von bis zu 25 Metern wurden vereinzelte Werte von über einem Prozent ermittelt. In 50 Metern Entfernung blieben die Auskreuzungswerte immer unter einem Prozent.

Damit haben die BBA-Forscher eine Datengrundlage geschaffen, die in späteren Forschungsprogrammen wie dem Erprobungsanbau 2004 weitgehend bestätigt wurde. Die Ergebnisse können unter www.biosicherheit.de nachgelesen werden (Dokumentation und Bericht).

Evaluierung der Warenstromtrennung beim Körnermaisanbau

Das Getreide- und Futtermittelhandelsunternehmen Märka hat zusammen mit dem TÜV Nord eine Standardprozedur für die Trennung von Warenströmen mit gentechnisch veränderterem und konventionellem Körnermais entwickelt. Kennzeichnungspflichtiger Mais und konventioneller Mais aus einer Region sollen getrennt voneinander erfasst und weiter verarbeitet werden. Damit das System funktioniert, müssen die GV-Mais anbauenden Landwirte ihre Mais anbauenden Nachbarn über ihre Anbauplanungen informieren. Die konventionell wirtschaften Mais-Anbauer, deren Felder in weniger als zwanzig Meter Entfernung von GV-Maisfeldern liegen, informieren vorab Märka hierüber. Liefern sie ihre Maisernten an, wird dieser Mais von den Märka-Mitarbeitern mit den Ernten der GVO-Anbauer zusammengefasst. Beim nächsten Schritt, der Trocknung der Maiskörner wird die dazu genutzte Anlage nach jedem Wechsel von kennzeichnungspflichtigem GV-Mais zu konventionellem Mais einmal mit konventionellem Mais gespült. Der Mais aus dem Spülgang wird anschließend zusammen mit dem GV-Mais und den Ernten der benachbarten Felder, als GVO-Produkt gekennzeichnet, vermarktet.

Um zu evaluieren, ob das Warenannahme- und Trennungssystem funktioniert, wurden 2005 von allen eingehenden Maislieferungen und im weiteren Verarbeitungsprozess Proben genommen. Die Probenanalyse ergab, dass die GVO-Anteile der jenseits von 20 Metern geernteten Maispartien deutlich unterhalb des Kennzeichnungsschwellenwertes von 0,9 Prozent lagen – wenn die Landwirte die Gute Fachliche Praxis eingehalten hatten. Das Trennungssystem hat sich also in der Praxis bewährt. Die Ergebnisse können unter www.transgen.de nachgelesen werden. 

Forschungsprogramm zur Ausbreitung von Raps

Da gentechnisch veränderte Rapssorten derzeit noch nicht zum Anbau zugelassen sind, liegen in Deutschland wie auch in anderen EU-Ländern nocht keine Praxiserfahrungen zur Koexistenz von gentechnisch verändertem und konventionellem Raps vor. Zwischen 1999 und 2004 fanden in Deutschland aber im Rahmen der öffentlich geförderten biologischen Sicherheitsforschung zahlreiche Forschungsprojekte zum GV-Rapsanbau statt, bei denen Koexistenz-relevante Fragestellungen untersucht wurden. Verschiedene Universitäten und Forschungsinstitutionen waren an einem gemeinsamen Forschungsprogramm zur Ausbreitung von gentechnisch verändertem Raps beteiligt. 

Ergebnisse: Für die Pollenverbreitung sind beim Raps – anders als beim Mais – vor allem Insekten wie Bienen und Hummeln verantwortlich. Sie können Rapspollen bis zu mehrere Kilometer weit transportieren. Allerdings nimmt die transportierte Pollenmenge mit zunehmender Entfernung vom GV-Rapsfeld stark ab. Zudem werden nur von eimen Teil der transportierten Rapspollen konventionelle Rapspflanzen befruchtet. Die Auskreuzungen in benachbarte Felder mit konventionellem Raps lagen ab einer Feldgröße von etwa 15 Hektar unter 0,5 Prozent. (siehe unter www.biosicherheit.de)

Rapssamen, die bei der Ernte auf dem Feld verblieben sind, können in folgenden Jahren auskeimen und so den Raps weiter verbreiten, GV-Raps ebenso wie konventionellen Raps. Eine sorgfältige Bodenbearbeitung kann aber die Menge dieses so genannten Durchwuchsrapses deutlich verringern.
Über die verschiedenen Verbreitungswege können sich alle landwirtschaftlich angebauten Rapssorten sowohl auf aber auch außerhalb der Ackerflächen als wild wachsender oder Durchwuchs-Raps zumindest in geringem Ausmaß etablieren

Entwicklung und Evaluierung neuer Nachweismethoden

Verlässliche und standardisierte Nachweissysteme sind die Grundlage, um die Einhaltung von Koexistenz-, Kennzeichnungs- und Rückverfolgbarkeitsvorschriften überprüfen zu können. Die Nachweisverfahren für einzelne GV-Pflanzen werden auf EU-Ebene standardisiert. Dem gehen zahlreiche Testreihen in verschiedenen Ländern voraus. In Deutschland koordiniert das Bundeamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin solche Testreihen, ist aber auch an der Entwicklung von Nachweisverfahren beteiligt. 20 deutsche Referenzlaboratorien ünterstützen die Entwicklung und Validierung neuer Nachweismethoden für GVO auf europäischer Ebene.

Weitere Informationen: Informationssystem Koexistenz - Forschungsergebnisse auf einen Blick




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