Public debates / Stakeholder activities

Öffentliche Debatte und die Meinung der Stakeholder

Österreich ist einer der schärfsten Kritiker der Grünen Gentechnik innerhalb der Europäischen Union. Gegner der Technologie finden sich in Österreich in allen relevanten gesellschaftlichen Gruppen. Die ablehnende Haltung vieler Österreicher gegenüber der Gentechnik basiert vor allem auf der Ansicht, dass Koexistenz aufgrund der kleinräumigen Agrarstrukturen Österreichs und des hohen Anteils an ökologisch wirtschaftenden Landwirten nur schwer zu organisieren sei.

Der österreischische Landwirtschaftsminister Josef Pröll ist gegen den Anbau von gv-Pflanzen in Österreich.
Der österreischische Landwirtschaftsminister Josef Pröll ist gegen den Anbau von gv-Pflanzen in Österreich.
Positionen zur Koexistenz

Regierung

Die österreichischen Bundesregierung und die neun Landesregierungen zeigen eine kritische Haltung gegenüber der Gentechnik. Das österreichische Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) hat beispielsweise die österreichische Charta für Gentechnikfreiheit ins Leben gerufen. Die Initiative tritt für Gentechnikfreiheit in Lebensmitteln ein. Klare Koexistenz- und Haftungsregelungen sind zwei Kernforderungen der Charta.

Politische Parteien

Alle Parteien in Österreich vertreten eine gentechnik-kritische Haltung. Die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP haben das Ziel, Österreich im Rahmen der europäischen Gentechnikrechts möglichst frei von GMOs zu halten. Die Oppositionsparteien Grüne und FPÖ stimmen darin mit der Bundesregierung überein.

Verbraucher

Von allen Verbrauchern innerhalb der Europäischen Union nehmen die Österreicher die mit Abstand kritischste Haltung gegenüber den Gentechnik ein. Die Umfragen im Rahmen des Eurobarometers 2005 zeigen: In keinem anderen Land der Europäischen Union gibt es einen höheren Anteil der Verbraucher, die unter keinen Umständen gewillt sind, Lebensmitteln mit gentechnisch veränderten Bestandteilen zu kaufen. Österreich ist der Umfrage zufolge das einzige Land in Europa, in dem sich die ablehnende Haltung gegenüber GMOs zwischen 1999 und 2005 noch verstärkt hat.

Landwirte

Der Österreichische Bauernbund, die größte landwirtschaftliche Organisation des Landes, nimmt ebenfalls eine kritische Haltung zur Gentechnik ein. Der Bauernbund unterstütz politische Forderungen nach strengen Koexistenzregeln und Haftungsbestimmungen. Die Organisation erwartet, dass es in Österreich auch in Zukunft zu keinem nennenswerten Anbau von GMOs kommen wird. Der Bauernbund erkennt jedoch an, dass der Anbau gentechnisch veränderter Ackerkulturen den Landwirten ökonomische Vorteile bieten kann.

Österreichische Verbraucher bevorzugen GO-freie Nahrung.
Österreichische Verbraucher bevorzugen GO-freie Nahrung.
Nahrungs- und Futtermittelindustrie

Aufgrund der Zurückhaltung der Verbraucher sind nur sehr wenige GV-Produkte verfügbar. Viele Supermarktketten verzichten auf den Verkauf kennzeichnungspflichtiger Lebensmittel. Die Futtermittelindustrie verkauft allerdings Futtermittel, die GVOs enthalten. Österreich ist ein Netto-Importeur von gentechnisch veränderten Futtermitteln wie etwa von gv-Soja. Einige österreichische Molkereien wie die Kärntnermilch oder die Niederösterreichische Molkerei AG (NÖM) verarbeiten nur Milch von Kühen, bei deren Fütterung keine gentechnisch veränderten Futtermittel verwendet wurden.

NGOs

Zwischen gentechnikkritischen Gruppen, Verbrauchern, Parteien und landwirtschaftlichen Verbänden besteht in Österreich weitgehend Einigkeit hinsichtlich der Ablehnung der grünen Gentechnik. Greenpeace kritisiert den Einsatz von gentechnisch verändertem Soja in der Tierfütterung und führt eine Kampagne gegen den Einsatz dieser Futtermittel in der österreichischen Landwirtschaft an.




Regional Co-extra reporter /rapporteur:

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